“ Corona“ Lage ABCAbKdoBw, Stand 17.05.

In Bezug auf die Corona Unterstützung hat sich in der vergangenen Woche nur noch wenig getan. Wenn man den Erprobungsergebnissen des Wehrwissenschaftlichen Instituts (WIS) folgt, dann muss man feststellen, dass nur wenige Maskenmodelle des Standards FFP2/3 die Prozedur in der Heißdampf-/Heißgaskammer überstehen. Äußerlich wirken sie völlig intakt aber die Filterwirkung entspricht nicht mehr dem vorgegebenen Sollwert. Wir schauen jetzt mal, wie sich die Situation entwickelt, denn noch liegen keine Unterstützungsanforderungen zur Maskenwiederaufbereitung vor.

Auch die Produktion von Desinfektionsmitteln ruht seit Mitte letzter Woche. Man merkt jetzt, dass wieder entsprechende Lieferungen ziviler Firmen auch die Bundeswehr erreichen und schließlich will man ja auch keine Konkurrenz für die zivilen Hersteller aufbauen.

Weiterhin befinden sich noch immer ca 70% unseres Personals im Homeoffice-Status und das soll, gem. den Vorgaben von letzter Woche noch bis Ende September so bleiben. Die Schule in Sonthofen hat am vergangenen Montag wieder mit vier Lehrgängen begonnen und wird ab dem 02. Juni auch wieder die Ausbildung in Stetten a.k.M. aufnehmen.

Wie ich bereits erwähnt habe, hat sich die Einrichtung und der Betrieb unseres Lagezentrums bestens bewährt und mich in meiner Entscheidung bestärkt, den Übergang von einer Prozeßorientierten- in eine J-Struktur konsequent fortzusetzen und damit die bisherigen Abteilungen Führung und Einsatz entsprechend anzupassen. Die Genehmigung des Kdo SKB für die einjährige Testphase liegt seit März vor, so dass wir im kommenden Jahr die SollOrg (STAN)-Änderung vornehmen können.

In unserem Ansatz zur weiteren Multinationalisierung des Kommandos werde ich den FNC-Nationen im Herbst vorschlagen, zunächst ein multinationales ABC-Melde- und Warndienstzentrum mit europäischem Fokus in Bruchsal zu etablieren. Dies wollen wir auch vor dem Hintergrund eines entsprechenden Bedarfs, der durch das neue multinationale Kommando (JSEC) in Ulm an uns herangetragen wurde umsetzen.

Mit dieser Bedarfsforderung von JSEC, dass für den gesamten Rückwärtigen Raum des Obersten Alliierten Befehlshabers in Europa (SACEUR) verantwortlich sein wird, stellen wir uns einer quasi neuen Aufgabe innerhalb der NATO und verhindern damit, dass Duplizierungen in der Auftragserfüllung in Konkurrenz zu anderen multinationalen Einrichtungen entstehen können. Genau das war bisher eines der großen Bedenken vieler Nationen hinsichtlich eines in Deutschland stationierten multinationalen ABC-Abwehrkommando.

Damit wünsche ich ihnen allen wieder eine gute und erfolgreiche Woche und bleiben sie gesund.

Schiff, Oberst

Stand 06.05.

Derzeit ist es eher ruhig geworden an der Corona-Front. Nach wie vor sind von den durch die Bundeswehr vorgehaltenen 15.000 Soldatinnen und Soldaten im Schnitt täglich nur maximal 600 im Rahmen der Corona-Unterstützung eingesetzt.
Der Schwerpunkt verlagert sich jetzt in Richtung Wiederaufnahme des Grundbetriebes unter den speziellen Maßgaben des Ansteckungsschutzes. Heißt, wir haben bspw. für alle sich im Dienst befindlichen Soldaten die Schutzmasken gem. dem FFP2 Standard angefordert und tragen diese immer dann, wenn mehrere Soldaten sich in derselben räumlichen Umgebung befinden. Auf Mindestabstände ist natürlich auch zu achten und Soldaten in Militärfahrzeugen unterliegen grundsätzlich der Maskenpflicht. Die Schule in Sonthofen beginnt zum 2. Juni wieder mit dem Ausbildungsbetrieb – insbesondere auch in Stetten a.k.M., denn es sollen natürlich keine Lücken zur Bedarfsdeckung der Bundeswehrfeuerwehren entstehen. Aber natürlich müssen wir auch wieder in unsere Laufbahnausbildungen einsteigen, damit den Kameradinnen und Kameraden keine Nachteile im jeweiligen Werdegang entstehen.
Wir planen auch bereits wieder die ersten Truppenübungsplatzaufenthalte aus, auch wenn derzeit nur jeweils die Hälfte der ansonsten zur Verfügung stehenden Unterkunftskapazität genutzt werden darf. Das sind natürlich deutliche Einschränkungen aber immerhin können wir wieder in den Ausbildungs- und Übungsbetrieb einsteigen. Die Kompaniefeldwebel haben mir in der letzten Besprechung schon vorgetragen, wie viele Soldaten sich täglich melden, um nachzufragen, wann sie wieder in den Dienst kommen können, schlicht weil es Viele zuhause nicht mehr aushalten. Die Spieße haben dazu ein tolles „Rotationssystem“ entwickelt, so dass immer einige der Soldaten mit kleineren Aufträgen im Dienst sein können. Verrückte Welt!

Technisch und aus Sicht des Kommandos sind wir nun auch für die Maskendekontamination bereit und haben dazu zwei TEP90 so angepasst, dass mit etwas verminderter Temperatur (ca 120 Grad) und einem Einschubgestell eine entsprechende Anzahl ziviler Schutzmasken dekontaminiert bzw wieder aufbereitet werden kann. Immerhin sind das ca 360 Schutzmasken pro System und Durchgang. Da käme bei den zur Zeit eingesetzten 18 TEP90 (Corona-Unterstützung) eine signifikante Tagesleistung zustande. Der Showstopper sind teilweise die unterschiedlichen Maskenmodelle, die als Cent-Produkte für den Einmalgebrauch hergestellt werden und dann trotz der verminderten Temperatur die Ausheizphase nicht überstehen. Den Masken ist äußerlich nichts anzusehen aber die Filterwirkung entspricht nicht mehr den Vorgaben für den jeweiligen Maskentyp. Dazu führt das Wehrwissenschaftliche Institut in Munster eine Untersuchung durch, um die Maskenmodelle zu identifizieren, die nach der Aufbereitung funktionsfähig bleiben. Übrigens werden die Billigmasken der Bundeswehr für mehrere Euro verkauft, so macht halt jeder sein Geschäft in dieser Lage.

   
Die beigefügten Bilder zeigen den eigens für die Maskenaufbereitung entwickelten Einschub, der sich bestens bewährt.
Damit genug für heute, weiterhin alles Gute und bleiben sie gesund!

Schiff, Oberst

Stand 24.04.

Die vergangene Woche war gespickt mit Presseterminen und natürlich dem Besuch des Herrn Innenminister des Freistaates Bayern und des Inspekteurs der Streitkräftebasis. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir im Bereich ABC-Abwehr schon einmal eine derart intensive Einlassung seitens der Presse hatten. Anhand der vielen Fragen die immer wieder gestellt werden, erkennt man eindeutig, wie wenig Kenntnis und Informationen auf der zivilen Seite bezüglich einer Fähigkeit wie die der ABC-Abwehr vorhanden sind. Daher haben unsere gegenwärtigen Aktivitäten tatsächlich auch eine hohe Multiplikationswirkung. Ich hoffe, dass sich das ggf auch auf die künftige Bewerberlage positiv auswirkt.
Derzeit befassen wir uns auch schon mit dem Thema der Folgezeit und wie bestimmte Themenfelder wieder aufgenommen bzw. intensiviert werden können. Wir mussten 11 wichtige Übungsvorhaben national und multinational streichen, was zwangsläufig hinsichtlich meiner Intention der Refokussierung auf Bündnis- und Landesverteidigung zu Defiziten führen wird. Beide Verbände beginnen aber wieder unter Beachtung der einzuhaltenden Maßnahmen mit der Dienstpostenausbildung und ab dem 1. Juni werden wir auch wieder mit der Grundausbildung beginnen. Die Schule entwirft derzeit Konzepte, wie laufbahnrelevante Lehrgänge zunächst auf der Basis von Fernstudien (Distant learning) wieder anlaufen bevor dann die ersten Kameradinnen und Kameraden wieder nach Sonthofen kommen. Das ist natürlich ein Problem, dass die gesamten Streitkräfte betrifft.
Wir warten auf die Befehlsgebung zur Wiederaufnahme des Dienstbetriebes, die uns in der nächsten Woche erreichen wird und dann müssen wir sehen, wie wir das für unseren Bereich adaptieren.
Am Montag, dem 27. April wollen wir die praktischen Tests zur Masken-Wiederaufbereitung mit entsprechender Validierung beginnen, so dass wir Mitte nächster Woche verlässliche Aussagen treffen können. Dazu dann mehr in der nächsten Bordeauxrot-Ausgabe.
Ich wünsche ihnen allen ein sonniges Wochenende und bleiben sie gesund.

Schiff, Oberst

Stand 17.04.

Wie versprochen möchte ich ganz kurz zu unserem ersten Einsatz zur Herstellung von Desinfektionsmitteln berichten. Der Einsatz erfolgte aufgrund eines Amtshilfeersuchens des Bundeslandes Bayern zur Bereitstellung von ca 150 to eines Hand-/Flächendesinfektionsmittels, das dann durch das THW Bayern aufgenommen werden und zur Verteilung gelangen soll. Das Ganze fand gestern auf dem Gelände der Universität der Bundeswehr in Neubiberg (Technischer Bereich) statt. Begleitet wurde diese erste Produktion durch den Besuch des Herrn Staatssekretärs Silberhorn und später durch ein Team des Bayerischen Rundfunks, das im Auftrag für ARD Tagesthemen gefilmt hat (Ausstrahlungstermin: Freitag 17. April, ARD Tagesthemen). Nach den vorbereitenden Maßnahmen wurden in ca. 1 Stunde 3.000 Liter Desinfektionsmittel hergestellt, die dann in 25 Liter Gebinden für die weitere Nutzung abgefüllt wurden.
Die Ministerin wurde ebenfalls durch den Herrn Inspekteur Streitkräftebasis über diese Möglichkeit informiert, ebenso wie über das Verfahren zur „Wiederaufbereitung“ von zivilen Schutzmasken (FFP2 und FFP3) mittels der Heißgas-/Heißdampfkammern unserer TEP90-Systeme. Mit den 18 Dekontaminationsgruppen, die derzeit für „Corona-Einsätze“ zur Verfügung stehen, könnten damit ca. 40.000 Masken pro Tag wieder aufbereitet werden. Als Beispiel für den Bedarf sei die Charité in Berlin genannt, die einen Bedarf von ca. 18.000 Masken pro Tag hat. Will damit sagen, dass wir auch mit diesem Verfahren einen substantiellen Beitrag leisten könnten. Dies alles wird nun im Ministerium besprochen und dann werden wir sehen, welcher Ansatz für die nächsten Wochen gewählt wird.
Über die genauen Verfahren werde ich sie auf der Zeitachse in einer der Bordeauxrot-Ausgaben noch informieren lassen.
Ihnen allen ein schönes Wochenende und bleiben sie gesund!

K. Schiff, Oberst

Stand 10.04.

Liebe Freunde,
heute nur ein kurzes Update.
Nachdem der Besuch des Generalinspekteurs sehr gut verlaufen ist, erhielten wir unmittelbar darauf eine Anfrage von Pro Sieben/ Sat1 zur Erstellung einer Reportage. Diese wurde am Dienstag unter Einbindung von Kräften aus dem ABC-Abwehrbataillon 750 „Baden“ fertiggestellt und soll ggf. am 15. April gesendet werden. Ich werde rechtzeitig den genauen Sendetermin mitteilen.
Noch immer befinden sich die Masse der Soldatinnen und Soldaten des Kommandos entweder im Status „Home Office“ oder „Auf Abruf“. Umfangreiche Unterstützungsforderungen haben uns bisher noch nicht erreicht. Wir unterstützen aber weiterhin das InstMikroBio in München und ebenso den Landkreis Oberallgäu mit den zwei Medizinern des Bereichs Wissenschaften (Ber Wiss) der Schule in Sonthofen.
ABER. Zwei „neue“ Betätigungsfelder tun sich auf und könnten umfangreiche Aufträge zur Folge haben.
Das Dezernat Biologie des Ber Wiss hat ein Verfahren zur Herstellung von Desinfektionslösung mit Hilfe unsere Wasseraufbereitungsanlagen entwickelt. Dies wurde gestern in Bruchsal mit Hilfe des Bataillons getestet und binnen 2 Stunden konnte ca. 1 Tonne der Desinfektionslösung hergestellt werden. Jetzt gilt es noch, die notwendigen Formalien (Patentrechte etc.) zu klären, denn es liegt bereits ein Amtshilfeersuchen aus Bayern vor. Das ist eine wichtige und vielversprechende Entwicklung. Ebenso wie die noch zu erprobende Dekontamination/Wiederaufbereitung von FFP2-Masken in einem der Module des TEP 90. Damit könnten schon sehr bald sehr große Mengen von zivilen Masken wieder aufbereitet und in Umlauf gebracht werden.
Beides also Ansätze, die in den kommenden Wochen und Monaten als erhebliche Unterstützungsleistungen seitens des Kommandos geleistet werden könnten. Spannend allemal.
Ich wünsche ihnen allen trotz der schwierigen Umstände schöne Osterfeiertage und weiterhin alles Gute.

K. Schiff, Oberst

Stand 03.04.

Diese Woche stand und steht noch ganz im Zeichen der Vorbereitung für mögliche Unterstützungsaufträge. Mit dem Einrichten der vier regionalen Führungsstäbe kam es auch darauf an, schnell die Verbindung zu suchen und damit die Schnittstelle zur ABC-Abwehrberatung zu besetzen.

Die NATO erwägt derzeit einen Einsatz der Combined Joint CBRN Defence Task Force (CJ CBRN Def TF), die gegenwärtig unter polnischer Führung steht. Die Cluster Support Cell (CSC) des ABCAbwKdo hat damit begonnen die vierzehn Partnernationen des Clusters CBRN Protection nach ihren jeweiligen Unterstützungsmöglichkeiten abzufragen, so dass im Bedarfsfall neben der Task Force auch weitere Kräfte mobilisiert und über Bruchsal koordiniert werden können. Nach dem Wochenende erwarten wir hier konkretere Aussagen aus Brüssel.

Das Highlight der Woche war der Dienstaufsichtsbesuch unseres Herrn Generalinspekteurs (GI), General Eberhard Zorn, der sich dafür einen halben Tag in Bruchsal Zeit nahm. Mit seiner offenen und interessierten Art hat er es uns leicht gemacht ihn in das Portfolio der Möglichkeiten insbesondere in der jetzigen Lage einzuweisen. Über VTC-Schaltungen waren der Bereich Wissenschaften in Sonthofen und die Beraterteams zugeschaltet. Abgerundet wurde der Besuch durch die praktischen Vorführungen durch das ABCAbwBtl 750 „Baden“ inkl. dem Spezial-ABC-Abwehrzug.

Der GI zeigte sich sichtlich beeindruckt und hat nach eigenen Aussagen viele für ihn neue Erkenntnisse mitgenommen. Ziel erreicht kann ich da nur sagen.

Noch immer sind kommandoweit nur ca 20% der Kräfte vor-Ort im Dienst während sich die anderen in Bereitschaft halten.

Die nächsten Wochen werden zeigen, wie die möglichen Unterstützungsaufträge in Zahl und Qualität auf uns zukommen.

Ich wünsche ihnen allen ein erholsames Wochenende und bleiben sie gesund.

Schiff, Oberst

Stand 20.03.

ABCAbwKdoBw ist noch weitgehend von Erkrankungen des Personals verschont worden. Lediglich im Bereich der Brandschutzausbildung sind einige Verdachtsfälle zu verzeichnen, die sich jetzt alle in häuslicher Quarantäne befinden.
Gem. Vorgabe des Ministeriums sind im Kommandostab, den Verbänden und der Schule die Kräfte auf ein sogenanntes operatives Minimum heruntergefahren. Im Stab sind das noch 20% der regulären Besetzung. Damit soll eine weitere Verbreitung vermieden werden, damit die Soldatinnen und Soldaten für mögliche Unterstützungsaufträge zur Verfügung stehen.
Die Einsätze insbesondere in Afghanistan, Mali und dem Irak werden weiterhin, wie geplant durchgeführt. Das Personal geht vor der Verlegung in eine 14-tägige Quarantäne, um keine Erkrankung in die Einsatzländer einzuschleppen.
Die Kräfte vor-Ort in Höxter und Bruchsal stellen sich auf Unterstützungsaufgaben im fachlichen Bereich der ABC-Abwehr, jetzt Schwerpunkt Desinfektion ein. Dazu sind in jedem Verband Kräfte und Material festgelegt, so das innerhalb von 24 Stunden bundesweit reagiert werden kann.
Darüber hinaus stehen mehrere mobile ABC-Abwehrberatungsteams auf Abruf.
Die ständige Führungsfähigkeit ist über das Lagezentrum Bruchsal 24/7 sichergestellt.
Wir sind alle zuversichtlich, dass wir wenn notwendig die entsprechende Hilfe schnell und kompetent leisten können.

Schiff, Oberst